Preismodelle für Regalmiete im Vergleich: Fixmiete, Provision oder beides?
Kurz gesagt: Es gibt kein Modell, das für jeden Laden passt. Fixmiete macht deine Einnahmen planbar, Provision beteiligt dich am Verkaufserfolg deiner Mieter:innen, und die Kombination verbindet beides, kostet aber mehr Rechenarbeit. Entscheide anhand von drei Fragen: Was müssen deine Einnahmen mindestens decken? Wie viel Risiko sollen deine Mieter:innen tragen? Wie viel Abrechnungsaufwand willst du leisten? Rechne jedes Modell mit denselben Beispielwerten durch, bevor du dich festlegst. Das gilt für den Secondhand-Laden ebenso wie für den Handmade-Shop oder den Kiosk mit Mietregalen.
Wichtig vorab: Wie Mieteinnahmen und Provisionen steuerlich behandelt werden, zum Beispiel bei der Umsatzsteuer oder der Kleinunternehmerregelung (§ 19 UStG), klärst du mit deiner Steuerberatung. Alle Zahlen in diesem Artikel sind frei erfundene Beispiele und keine Empfehlung.
Schritt 1Wovon hängt die Wahl des Preismodells ab?
Bevor du Modelle vergleichst, brauchst du drei Informationen über deinen eigenen Laden.
- Deine Fixkosten: Miete, Strom, Versicherung, Kasse, Personal. Das ist die Summe, die jeden Monat anfällt, egal wie gut verkauft wird.
- Deine Zielgruppe: Wer gerade erst anfängt zu verkaufen, etwa mit Handmade-Ware, scheut hohe Fixkosten. Wer regelmäßig und viel verkauft, rechnet lieber mit einer festen Miete.
- Dein Aufwand: Provision bedeutet, dass jeder Verkauf der richtigen Mieter:in zugeordnet und abgerechnet werden muss. Das ist machbar, aber nur mit einer sauberen Kassenroutine (mehr dazu im Ratgeber Kasse und Verkaufszuordnung).
Aus diesen drei Punkten ergibt sich meist schon eine Richtung. Die folgenden Abschnitte zeigen, worauf du bei jedem Modell achten musst.
Schritt 2Wann passt eine Fixmiete?
Bei der Fixmiete zahlt jede Mieter:in einen festen Betrag pro Zeitraum, unabhängig vom Umsatz. Sie passt gut, wenn deine Fixkosten hoch sind und du verlässlich kalkulieren willst oder wenn du Mieter:innen anziehst, die regelmäßig verkaufen. Weniger gut passt sie, wenn viele Mieter:innen noch nicht wissen, ob sich ihr Sortiment verkauft.
Darauf solltest du achten:
- Staffelung: Du kannst Regale nach Größe oder Lage unterschiedlich bepreisen, etwa für Regale auf Augenhöhe, in Eingangsnähe oder in der Vitrine. Lege die Stufen vor dem Start fest, damit jede Mieter:in versteht, warum ein Regal mehr kostet.
- Laufzeit: Kurze Laufzeiten senken die Hürde, lange geben dir Planungssicherheit. Du kannst beides verbinden, zum Beispiel mit einem Nachlass für längere Buchungen. Wie hoch er ausfällt, entscheidest du anhand deiner Kalkulation.
- Leerstand: Bei Fixmiete trägst du das Risiko leerer Regale allein. Plane deshalb nicht mit voller Auslastung, sondern mit einer vorsichtigen eigenen Schätzung.
- Zahlungseingang: Lege fest, wann die Miete fällig ist und was bei Verzug passiert. Ein Zahlungsstatus je Buchung hilft, den Überblick zu behalten.
Schritt 3Wann passt eine Provision?
Bei der Provision behältst du einen Prozentsatz vom Verkaufspreis. Mieter:innen zahlen nur, wenn sie verkaufen. Das senkt die Einstiegshürde, und du verfolgst dasselbe Ziel wie deine Mieter:innen: Die Ware soll gut präsentiert sein und sich verkaufen.
Darauf solltest du achten:
- Bemessungsgrundlage: Von welchem Betrag rechnest du? Vom Preis laut Schild, nach Rabatt, mit oder ohne Umsatzsteuer? Halte es in den Regeln fest und kläre die steuerliche Seite mit deiner Steuerberatung.
- Zahlungsgebühren: Gebühren für Kartenzahlungen schmälern deine Einnahmen. Entscheide, ob du sie aus der Provision trägst oder anteilig weitergibst, und halte das fest.
- Rabatte und Rückgaben: Was passiert, wenn du an der Kasse Rabatt gibst oder Ware zurücknimmst? Wer trägt den Rabatt?
- Aufwand: Ohne Zuordnung der Verkäufe gibt es keine Abrechnung. Plane Zeit oder ein Werkzeug dafür ein.
- Schwankende Einnahmen: Deine Einnahmen hängen vom Verkaufserfolg ab. Das macht es schwerer, Fixkosten sicher zu decken.
Schritt 4Wie lassen sich Fixmiete und Provision kombinieren?
Wenn du beides willst, gibt es mehrere Varianten:
- Niedrige Fixmiete plus Provision: Die Miete deckt einen Teil der Fixkosten, die Provision beteiligt dich am Erfolg.
- Fixmiete, Provision erst ab einer Umsatzschwelle: Wer wenig verkauft, zahlt nur die Miete. Wer viel verkauft, beteiligt dich zusätzlich.
- Provision mit Mindestbetrag: Mieter:innen zahlen mindestens einen festen Betrag, auch wenn sie wenig verkaufen.
Die Kombination ist die flexibelste Lösung und zugleich die schwierigste zu erklären. Wenn du sie wählst, halte sie so einfach wie möglich: ein Prozentsatz, ein Betrag, eine Regel. Gerade im Kiosk mit wenigen Mietregalen spricht viel für ein einfaches Modell, weil jede Sonderregel im laufenden Betrieb Zeit kostet.
Schritt 5Durchgerechnet: Was bringt welches Modell?
Am besten rechnest du jedes Modell mit denselben Fällen durch. Das Beispiel vergleicht drei Modelle für drei Mieter:innen mit unterschiedlichem Umsatz.
Modell A: 25 € Fixmiete pro Monat. Modell B: 20 % Provision, keine Miete. Modell C: 12 € Miete plus 10 % Provision. Drei Mieter:innen verkaufen im Monat für 40 €, 150 € und 400 €.
| Umsatz der Mieter:in | Modell A: 25 € fix | Modell B: 20 % | Modell C: 12 € + 10 % | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Laden | Mieter:in | Laden | Mieter:in | Laden | Mieter:in | |
| 40 € | 25 € | 15 € | 8 € | 32 € | 16 € | 24 € |
| 150 € | 25 € | 125 € | 30 € | 120 € | 27 € | 123 € |
| 400 € | 25 € | 375 € | 80 € | 320 € | 52 € | 348 € |
Was die Tabelle zeigt: Bei der Fixmiete bekommst du in jedem Fall 25 €. Für die Mieter:in mit dem geringsten Umsatz ist das die teuerste Lösung, für die mit dem höchsten Umsatz die günstigste. Bei der Provision verdienst du an umsatzstarken Mieter:innen mehr, trägst aber das Risiko schwacher Monate mit. Die Kombination liegt dazwischen.
Betragen deine Fixkosten 1.200 € im Monat, brauchst du bei 25 € Fixmiete 48 vermietete Regale, um sie allein mit der Miete zu decken (1.200 ÷ 25). Passen nur 30 Regale in deinen Laden, reicht die Fixmiete allein nicht. Dann brauchst du Provision, eine höhere Miete oder niedrigere Kosten.
Setze deine eigenen Zahlen ein: deine Fixkosten, die Zahl deiner Regale und eine vorsichtige Schätzung der Umsätze.
Schritt 6Was kostet ein Mietregal? Preise festlegen, ohne Marktzahlen zu raten
Es gibt keine allgemeingültige Regalmiete. Zahlen aus anderen Läden helfen nur begrenzt, weil Lage, Fläche und Kundschaft verschieden sind. Diese Quellen sind verlässlicher:
- Deine Kosten: Rechne aus, was du mindestens einnehmen musst (siehe Beispiel oben).
- Läden in deiner Umgebung: Schau dir Läden mit ähnlichem Modell an und frag Interessent:innen, was sie bisher zahlen oder zahlen würden.
- Ein Probelauf: Starte mit einem Preis, den du für tragfähig hältst, und prüfe nach den ersten Monaten Auslastung und Rückmeldungen. Sag von Anfang an dazu, dass du die Preise nach der Anfangszeit überprüfst.
- Eine Preisstaffel: Mit zwei oder drei Regalgrößen oder Lagen sprichst du Mieter:innen mit unterschiedlichem Budget an, ohne das Modell zu verkomplizieren.
Entscheide früh, wie du später mit Änderungen umgehst: Gilt der alte Preis für laufende Buchungen weiter, und mit welcher Frist kündigst du Preisänderungen an? Das gehört in deine AGB. Eine Gliederung dafür findest du im Ratgeber AGB für Regalmieter:innen.
Schritt 7Preise im Alltag umsetzen
Ein Modell auf dem Papier ist einfach. In der Praxis kommen Ausnahmen hinzu: ein Rabatt für die erste Buchung, eine Mieter:in ohne Provision, ein Regal in besserer Lage. Je mehr Ausnahmen, desto wichtiger wird es, sie nachvollziehbar festzuhalten.
Schritt 8Fehler, die du vermeiden kannst
Die meisten Probleme mit Preisen entstehen nicht durch einen falschen Betrag oder Prozentsatz, sondern durch Unklarheit im Alltag.
- Ein Modell, das du nicht erklären kannst: Wenn du fünf Sätze brauchst, um deine Preise zu beschreiben, verstehen deine Mieter:innen sie vermutlich auch nicht.
- Provision ohne Zuordnungsroutine: Wer Provision verlangt, braucht von Anfang an eine Kasse und eine Abrechnung, die Verkäufe sauber zuordnen. Fehlt das, entstehen Streit und Nacharbeit.
- Zu viele Ausnahmen: Jeder Sonderpreis wird zum Maßstab für die nächste Anfrage. Halte Ausnahmen schriftlich fest und begründe sie.
- Preise nur mündlich: Was nicht im Preisblatt oder in den AGB steht, wird später zur Diskussion.
- Keine Überprüfung: Plane einen festen Termin, zu dem du nach den ersten Monaten Auslastung, Umsätze und Rückmeldungen ansiehst und die Preise bei Bedarf anpasst.
Schritt 9Wie erklärst du deinen Mieter:innen das Modell?
Mieter:innen entscheiden schneller, wenn sie ihre Kosten selbst nachrechnen können. Erstelle ein einseitiges Preisblatt mit diesen Angaben:
- Miete bzw. Provisionssatz und Bemessungsgrundlage
- Fälligkeit und Zahlungsweg
- Laufzeiten und Kündigung
- Gebühren, die abgezogen werden
- Ein durchgerechnetes Beispiel, ausdrücklich als Beispiel gekennzeichnet
Beantworte die Frage „Lohnt sich das für mich?“ ehrlich: Umsätze kannst du nicht versprechen. Zeig stattdessen, wie sich die Kosten bei unterschiedlichen Verkaufszahlen entwickeln.
Zum AbhakenDie Checkliste
Entscheiden
- Fixkosten pro Monat ausgerechnet
- Modell gewählt: fix, Provision oder beides
- Bemessungsgrundlage der Provision festgelegt
Rechnen
- Drei Beispielfälle durchgerechnet
- Auslastung vorsichtig angesetzt
- Zahlungsgebühren und Rabatte berücksichtigt
Festlegen
- Preisstaffel nach Größe oder Lage festgelegt
- Regel für spätere Preisänderungen aufgestellt
- Ausnahmen wie Rabatt oder „provisionsfrei“ dokumentiert
Erklären und prüfen
- Preisblatt mit Beispiel erstellt
- Steuerfragen mit deiner Steuerberatung geklärt
- Überprüfung der Preise nach drei Monaten eingeplant
FAQHäufige Fragen zu Preisen für Mietregale
Wie viel Provision ist bei Regalmiete üblich?
Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht, belastbare Marktdaten dazu fehlen. Rechne stattdessen von deinen Fixkosten aus, welchen Satz du bei vorsichtig geschätzten Umsätzen brauchst, und überprüfe ihn nach den ersten Monaten.
Was kostet ein Mietregal?
Das hängt von Größe, Lage, Laufzeit und Preismodell ab. Ein tragfähiger Preis ergibt sich aus deinen Kosten und der Zahl vermietbarer Regale, nicht aus Vergleichszahlen anderer Städte.
Welches Modell passt für Secondhand, welches für Handmade?
Eine feste Regel gibt es nicht. Wer den eigenen Umsatz noch nicht einschätzen kann, etwa beim Start mit Handmade-Ware, scheut eher hohe Fixkosten. Für Mieter:innen mit hohem Umsatz ist eine Fixmiete oft günstiger, wie die Beispielrechnung zeigt.
Muss ich auf Miete und Provision Umsatzsteuer berechnen?
Das hängt unter anderem davon ab, wie dein Modell rechtlich eingeordnet wird und ob du die Kleinunternehmerregelung nutzt. Kläre das vor dem Start mit deiner Steuerberatung.
Quellen und Gesetzestexte zum Nachlesen
Die Links führen zu den amtlichen Fassungen. Sie ersetzen keine Beratung, helfen dir aber, das Gespräch mit deiner Steuerberatung bzw. deiner Rechtsberatung vorzubereiten.
