Checkliste

Laden mit Mietregalen eröffnen: Checkliste von Konzept bis Eröffnung

Von Ulf Hübner · ca. 8 Minuten Lesezeit

Kurz gesagt: Ein Laden mit Regalvermietung läuft, wenn vor der Eröffnung fünf Dinge feststehen: wer bei dir ein Regal mieten soll, wie viele Regale auf deine Fläche passen, wie sich die Miete zusammensetzt (fest, Provision oder beides), welche Regeln in deinen AGB stehen und wie du Verkäufe und Auszahlungen nachvollziehbar abrechnest. Das gilt für den Secondhand-Laden genauso wie für den Handmade-Shop oder den Kiosk mit ein paar Mietregalen. Plane rückwärts ab dem Eröffnungstermin.

Wichtig vorab: Steuern, Gewerbeanmeldung (§ 14 GewO) und Vertragsrecht klärst du mit deiner Steuerberatung bzw. deiner Rechtsberatung. Dieser Artikel zeigt dir, welche Fragen du dort stellen solltest, und ersetzt die Beratung nicht.

Schritt 1Für wen ist dein Laden? Konzept und Zielgruppe

Bevor du Regale zählst, entscheide, wer bei dir verkaufen soll. Das bestimmt Sortiment, Preisniveau und den Ton im Laden.

  • Secondhand-Laden: Die Ware wechselt oft. Du brauchst klare Regeln zu Zustand, Sauberkeit und Preisauszeichnung, sonst wirkt der Laden schnell unaufgeräumt.
  • Handmade-Shop: Die Ware ist individueller. Mieter:innen möchten ihre Stücke meist besonders präsentieren, etwa mit Namensschild oder eigener Dekoration.
  • Kiosk mit Mietregalen: Hier ergänzen die Mietregale dein eigenes Sortiment. Wenige, gut sichtbare Regale reichen für den Anfang. Wichtig ist, dass das Kassieren fremder Ware im laufenden Betrieb schnell geht.
  • Gemischt: Mehr Vielfalt, aber auch mehr Abstimmung. Trenne die Bereiche oder ordne sie zumindest klar, damit sich Handmade und Secondhand nicht gegenseitig in die Quere kommen.

Schreib in zwei Sätzen auf, für wen dein Laden ist. Gelingt dir das nicht, ist das Konzept noch zu unscharf, um Mieter:innen zu überzeugen. Hilfreich ist auch, zwei oder drei Läden mit ähnlichem Modell zu besuchen und zu notieren, was du anders machen würdest.

Schritt 2Standort und Fläche: Wie viele Regale passen?

Rechne von der Verkaufsfläche rückwärts, nicht von einer Wunschzahl an Regalen. Ziehe zuerst ab, was du nicht vermieten kannst: Kasse, Eingangsbereich, Laufwege, Lager und gegebenenfalls eine Umkleide oder eine Spielecke.

Lass zwischen den Regalen genug Platz zum Stöbern, auch für Kinderwagen oder Rollstuhl. Ob Vorgaben zu Fluchtwegen, Brandschutz oder Barrierefreiheit gelten, klärst du mit deiner Vermieter:in und der zuständigen Behörde.

Beispielrechnung (Zahlen erfunden)

Von 60 m² Verkaufsfläche bleiben nach Kasse, Eingang und Laufwegen 35 m² für Regale. Braucht ein Regal samt Zugangsfläche 1,5 m², passen rechnerisch 23 Regale. Plane lieber vorsichtig: Ein paar Regale weniger sind besser als zu enge Gänge.

Beschränke dich auf wenige Regaltypen, zum Beispiel Standardregal, Kleiderstange und Vitrine. Einheitliche Regale lassen sich leichter vergeben und bepreisen. Gib jedem Regal von Anfang an eine feste Nummer.

Schritt 3Welches Preismodell passt: Fixmiete, Provision oder beides?

Du hast drei Grundmodelle. Welches passt, hängt von deinen Fixkosten ab und davon, wie viel Risiko du und deine Mieter:innen tragen wollen.

Fixmiete

Vorteile

  • Einnahmen sind planbar
  • Die Miete ist einfach zu berechnen

Nachteile

  • Du verdienst nicht mit, wenn gut verkauft wird
  • Mieter:innen mit schwachen Verkäufen kündigen eher

Provision

Vorteile

  • Du verdienst mit, wenn verkauft wird
  • Niedrige Einstiegshürde für Mieter:innen

Nachteile

  • Einnahmen schwanken von Monat zu Monat
  • Jeder Verkauf muss der richtigen Mieter:in zugeordnet werden

Beides

Vorteile

  • Feste Basis plus Beteiligung am Erfolg
  • Die Miete sichert eine Grundlage, die Provision kommt hinzu

Nachteile

  • Schwerer zu erklären
  • Mehr Rechenarbeit bei jeder Abrechnung

Auch bei reiner Fixmiete musst du Verkäufe zuordnen, sobald du für deine Mieter:innen kassierst und ihnen den Erlös auszahlst. Das Preismodell entscheidet also nicht darüber, ob du Verkäufe sauber zuordnen musst, sondern nur darüber, ob du an ihnen mitverdienst.

Lege Zahlen erst fest, wenn du deine Fixkosten kennst: Miete, Strom, Kasse, Versicherung, eventuell Personal. Rechne rückwärts, was du monatlich einnehmen musst, und prüfe, ob das mit der Zahl vermietbarer Regale realistisch ist. Mehr dazu steht im Ratgeber Preismodelle im Vergleich.

Beispielrechnung (Zahlen erfunden, keine Empfehlung)

20 Regale zu 25 € Fixmiete ergeben 500 € im Monat, wenn alle vermietet sind. Kommen 15 % Provision auf 2.000 € Umsatz hinzu, sind das weitere 300 €. Deckt die Fixmiete deine laufenden Kosten, bleibt die Provision als Spielraum darüber.

Schritt 4Was gehört in deine AGB und Hausregeln?

Statt eines aufwendigen Mietvertrags hältst du die Regeln in deinen AGB fest und gibst sie jeder Mieter:in vor der Buchung. Diese Punkte gehören auf deine Liste (eine ausführliche Gliederung bietet der Ratgeber AGB für Regalmieter:innen):

  • Laufzeit und Verlängerung: Wie lange läuft eine Miete, mit welcher Frist kann man kündigen, wie wird verlängert (automatisch oder auf Anfrage) und wann vergibst du das Regal neu?
  • Preisauszeichnung: Wie wird jeder Artikel gekennzeichnet, zum Beispiel mit Mieternummer und Preis? Ohne eindeutige Kennzeichnung kannst du Verkäufe später nicht zuordnen.
  • Haftung: Wer trägt das Risiko bei Diebstahl, Beschädigung oder Schwund? Frag deine Versicherung, ob fremde Ware mitversichert ist.
  • Auszahlung: Wie oft, auf welchem Weg, ab welchem Mindestbetrag, und bis wann können Mieter:innen eine Abrechnung beanstanden?
  • Ordnung: Wer räumt ein und nach, bis wann muss Ware nach Mietende abgeholt werden, und was passiert mit Ware, die liegen bleibt?

Das klärst du mit deiner Rechtsberatung: ob deine Konstruktion rechtlich eine Miete (§ 535 BGB), ein Kommissionsgeschäft (§ 383 HGB) oder eine Mischform ist, welche Klauseln in deinen AGB wirksam sind und welche Datenschutzpflichten du gegenüber deinen Mieter:innen hast.

Schritt 5Kasse: Wie weißt du, wessen Ware verkauft wurde?

Am Monatsende musst du für jede Mieter:in wissen, was sie verkauft hat. Dafür gibt es zwei Wege.

  • Nummer im Artikelnamen: Jede Mieter:in hat eine feste Nummer. Sie steht auf jedem Preisschild, und beim Kassieren tippst du Nummer und Preis ein. Der Kassenbericht zeigt dann alle Verkäufe pro Nummer.
  • Eigene Artikel oder Warengruppen pro Mieter:in: Du legst in der Kasse für jede Mieter:in einen eigenen Artikel oder eine Warengruppe an. Das spart Tipparbeit beim Kassieren, kostet aber Pflege bei jeder neuen Mieter:in.

Prüfe vor dem Kauf einer Kasse, ob sie Freitext-Artikel oder Artikelnummern erlaubt und ob sich ein Bericht mit allen Einzelpositionen exportieren lässt, zum Beispiel als CSV-Datei. Dieser Export entscheidet, ob du später abrechnest oder abtippst. Wie ein Nummernsystem aufgebaut wird und welche Sonderfälle auftreten, steht im Ratgeber Kasse und Verkaufszuordnung.

ShelfManager, Ansicht Kasse: importierte Kassendaten pro Monat und Import-Historie (Demo mit Beispieldaten)
Kassenimport und Monatsübersicht in der Demo (Beispieldaten)

Schritt 6Wie rechnest du mit deinen Mieter:innen ab?

Wähle einen festen Rhythmus, zum Beispiel monatlich, und halte ihn ein. Verlässliche Auszahlungen schaffen Vertrauen bei deinen Mieter:innen.

Eine nachvollziehbare Abrechnung enthält die einzelnen Verkäufe im Zeitraum, deine Provision, gegebenenfalls die Miete und den Auszahlungsbetrag. So kann jede Mieter:in jede Zahl prüfen. Entscheide außerdem, wer die Gebühren für Kartenzahlungen trägt, und halte das in den Regeln fest. Wie du Abrechnung und Auszahlung im Detail organisierst, zeigt der Ratgeber Abrechnung und Auszahlung ohne Excel-Chaos.

Bewahre Abrechnungen und Belege geordnet auf (§ 147 AO). Wie lange und in welcher Form, sagt dir deine Steuerberatung.

Schritt 7Wie findest du Mieter:innen für deine Regale?

Fang vor der Eröffnung damit an. Mit einer Liste von Interessent:innen startest du nicht bei null.

  • Hänge im Schaufenster und im Laden einen Aufruf aus, dass Regale zu vermieten sind.
  • Sprich Leute direkt an, zum Beispiel auf Flohmärkten, Kunsthandwerksmärkten oder in Eltern- und Nachbarschaftsgruppen.
  • Mach einen kurzen Flyer: Regalgröße, Miete, Laufzeit, die wichtigsten Regeln und wer Ansprechpartner:in ist.
  • Biete Besichtigungstermine an.

Wenn mehr Leute fragen, als du Regale hast, brauchst du eine Warteliste. Notiere Name, Kontakt und Wunschbereich und ob die Person ein frei werdendes Regal sofort nehmen oder vorher gefragt werden möchte. Vergib frei werdende Regale nach einer klaren Regel, zum Beispiel in der Reihenfolge der Anfragen, damit niemand das Gefühl hat, übergangen zu werden.

ShelfManager, Ansicht Warteliste: Interessent:innen mit Wunsch und Regalzuteilung (Demo mit Beispieldaten)
Die Warteliste in der Demo (Beispieldaten)

Schritt 8Zeitplan: Was ist bis zur Eröffnung wann zu tun?

Die Wochenangaben sind eine Orientierung. Bei knapper Zeit ziehst du sie zusammen, die Reihenfolge bleibt.

  1. 12 Wochen vorherKonzept und Preismodell stehen, die Fläche ist gesichert. Steuer- und Gewerbefragen sowie die Versicherung sind angestoßen.
  2. 8 Wochen vorherDer Regalplan steht, AGB und Hausregeln sind erstellt und rechtlich geprüft. Kasse und Abrechnungsweg sind gewählt, die ersten Mieter:innen angesprochen.
  3. 4 Wochen vorherDie Regale sind aufgebaut und nummeriert. Du hast den Ablauf vom Preisschild bis zur Kasse mit Testartikeln durchgespielt, die ersten Regale sind gebucht.
  4. 2 Wochen vorherDie Mieter:innen kennen Preisschilder, Einräumen und Regeln. Der letzte Test von der Kasse bis zur Abrechnung ist erledigt, die Eröffnung ist angekündigt.
  5. EröffnungswocheDie Mieter:innen bestücken ihre Regale. Du sammelst Fragen und schärfst die Regeln bei Bedarf nach.
  6. 4 Wochen danachDie erste Abrechnung ist dein Probelauf: Prüfe, ob Verkäufe, Provision und Auszahlungen stimmen. Was Mieter:innen unklar fanden, nimmst du in die Regeln auf.

Zum AbhakenDie Checkliste

Konzept und Fläche

  • Zielgruppe in zwei Sätzen beschrieben
  • Verkaufsfläche abzüglich Laufwegen berechnet
  • Regaltypen und feste Nummern festgelegt

Geld und Regeln

  • Preismodell gewählt und gegen Fixkosten gerechnet
  • AGB und Hausregeln von deiner Rechtsberatung geprüft
  • Steuerfragen mit deiner Steuerberatung geklärt
  • Versicherung für fremde Ware geprüft

Kasse und Abrechnung

  • Kasse unterstützt Zuordnung (Nummer oder Artikel) und Export
  • Ablauf vom Preisschild bis zur Kasse getestet
  • Rhythmus für Abrechnung und Auszahlung festgelegt

Mieter:innen

  • Aushang und Flyer fertig
  • Interessent:innen-Liste bzw. Warteliste angelegt
  • Einweisung der Mieter:innen geplant
  • Probeabrechnung nach vier Wochen eingeplant

FAQHäufige Fragen zum Laden mit Mietregalen

Was ist ein Laden mit Mietregalen?

Bei einem Laden mit Mietregalen, oft auch Regalladen oder Shop-in-Shop genannt, mieten Privatpersonen oder kleine Labels ein Regal und stellen dort ihre Ware aus. Der Laden kassiert, rechnet ab und zahlt den Erlös aus, abzüglich Miete, Provision oder beidem.

Eignet sich Regalvermietung auch für einen Kiosk?

Ja, als Ergänzung zum eigenen Sortiment. Schon wenige Mietregale bringen zusätzliche Ware in den Laden. Wichtig ist, dass die Zuordnung an der Kasse im laufenden Betrieb schnell geht, etwa über eine Mieternummer auf jedem Preisschild.

Passen Secondhand und Handmade in einen Laden?

Ja, wenn die Bereiche klar geordnet sind. Secondhand-Ware wechselt oft und braucht klare Regeln zu Zustand und Sauberkeit. Bei Handmade-Ware legen Mieter:innen mehr Wert auf die Präsentation.

Wie viel Vorlauf brauche ich bis zur Eröffnung?

Der Zeitplan in diesem Ratgeber rechnet mit zwölf Wochen ab dem Zeitpunkt, an dem Konzept, Preismodell und Fläche stehen. Bei knapper Zeit ziehst du die Schritte zusammen, die Reihenfolge bleibt gleich.

Quellen und Gesetzestexte zum Nachlesen

Die Links führen zu den amtlichen Fassungen. Sie ersetzen keine Beratung, helfen dir aber, das Gespräch mit deiner Steuerberatung bzw. deiner Rechtsberatung vorzubereiten.

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